Sie ist die Chefin eines der coolsten Grazer Lokale

Geschichten wie sie nur die Gastro schreibt

Wie Bernadette Schratter das legendäre M1 in Graz aus der Pleite zurück auf die Erfolgsspur geführt hat.


Von deinem Lokal aus hat man einen fantastischen Blick über die Dächer von Graz. Hoch hinaus ging es auch mit deiner Karriere. War das immer so geplant?
Bernadette Schratter: Was soll man schon großartig planen im Leben? Was man kann, das ist hart arbeiten und in der Gastro führt das immer zum Erfolg. Ich zum Beispiel habe mich sehr früh für die Selbstständigkeit entschieden. Ich war 21 als ich in die Geschäftsführung eines kleinen Pubs in der Weststeiermark eingestiegen bin, in dem ich die Jahre zuvor gekellnert hatte. Dann kam es dazu, dass mir gemeinsam mit meinem Geschäftspartner angeboten wurde, das M1 in Graz zu übernehmen. Das war 2009, da war ich gerade einmal 24. Panoramalift rauf, Kinnlade runter. Mein erster Eindruck war Angst ob der Größe und dem Konzept - befremdlich für ein Pub-Kind wie mich, das bis dahin jeden Gast persönlich samt Lebensgeschichte kannte. Aber: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Mit Hilfe meiner Freunde und Familie ließ ich mich dann auf das Projekt „Zwerg goes Größenwahn“ ein.


Ein Projekt, das 2010 in ein Sanierungsverfahren schlitterte…
Bernadette Schratter: Ja. Ich bin da - auch was meinen Geschäftspartner betrifft - zu blauäugig hinein gestartet. Den Briefumschlag mit der Einleitung des Konkursverfahrens zu öffnen, war der härteste Moment meines Geschäftslebens. Aber: Das Leben ist voller Höhen und Tiefen. Ich habe also mein Medizinstudium, auf das ich mich zu dem Zeitpunkt eigentlich konzentrieren wollte, unterbrochen und an sieben Tagen die Woche fast rund um die Uhr gearbeitet, um alles wieder gerade zu biegen. Nach einem Jahr war die Schuld bezahlt und ich um eine wesentliche Lebenserfahrung reicher: Erst wenn man einmal ganz unten war, kann man den Erfolg schätzen. Mein Geschäftspartner ist dann ausgestiegen und seit 2012 bis zum heutigen Tag ist das M1 nun mein Reich. Und ich kann nach allen Up&Downs sagen: Die Gastro ist die geilste Branche, die es gibt. Man hat Freiheiten und man kann sich verwirklichen. Man muss nur wollen.


Bernadette Schratter


Alter: 33 | Ist: Chefin im M1

Hat: zwischenzeitlich Medizin studiert

Sagt: Die Gastro ist die geilste Branche der Welt

Welche Freiheit genießt du am meisten in der Gastro?
Bernadette Schratter: Dass ich mich kreativ ausleben kann. Es gibt keinen anderen Job, außer vielleicht die Schauspielerei, in dem du mit Kreativität so viele Menschen erreichst und ihre Reaktion darauf hautnah spüren kannst. Man ist wie ein Dirigent und die Komposition ist das Lokal.

Welche Skills braucht man, um in der Gastro erfolgreich zu sein?
Bernadette Schratter:Eine fundierte Grundausbildung ist in jedem Job wichtig. Aber natürlich ist die Gastro auch etwas für Quereinsteiger. Dann sollte man sich aber mit Menschen umgeben, die sich in den einzelnen Bereichen gut auskennen. Die einzige Variable, in der sich die Gastro von vielen anderen Branchen unterscheidet, sind die Soft Skills als Grundvoraussetzung: Man muss Menschen mögen, soziale Kompetenz haben und das Herz am rechten Fleck.

Welche Möglichkeiten eröffnet die Branche ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dann?
Bernadette Schratter:Es erwartet einen ein unglaublich abwechslungsreicher und spannender Beruf. Kein Tag ist wie der andere. Man erfindet sich ständig neu, entwirft und plant Konzepte, kreiert gedanklich neue Getränke und Speisen und versucht Innovationen im Betrieb umzusetzen, die man aus aller Welt mitnimmt. Und dann sieht man die strahlenden Augen seiner Gäste. Das sind die schönsten Momente. Was die Selbstständigkeit betrifft, heißt das aber auch: Nerven aus Stahl zu besitzen, sich einen gewissen Hang zur Selbstironie zu bewahren und auch Kritik annehmen zu können.

Und es heißt auch Nachtarbeit. Siehst du das als Vor- oder Nachteil?
Bernadette Schratter: Der Vorteil ist, du erlebst deinen Tag anders als alle anderen, die einem normalen 9-to-5-Job nachgehen. Ich habe mich lange gut eingestellt auf die Nachtarbeit und in einer gewissen Lebensphase ist das super.

Dein Ratschlag für jene, die am Beginn ihrer Karriere stehen?
Bernadette Schratter: Traut euch, setzt eure Ideen um und nehmt auch in Kauf, dass es schief gehen kann. Eine Erfolgsgarantie gibt es für nichts im Leben. Aber die Gastro bietet so unglaublich viele Chancen. Wenn man halbwegs was auf dem Kasten hat, kann man sich auf der ganzen Welt seinen Job in dieser Branche aussuchen. Und was die Selbstständigkeit betrifft: Auch wenn ich es in jungen Jahren belächelt habe - ein Business-Plan mit einem Worst-Case-Szenario ist wichtig. Im Prinzip begleitet die Gastro jeden von uns ein Leben lang. Taufe, Hochzeit, Leichenschmaus - man trifft sich im Gasthaus. Diesen Kreislauf ein Stück weit begleiten zu dürfen, das ist für mich persönlich jener Teil der Arbeit, der es wert ist, mich jeden Tag neu zu erfinden. Ich kann das jedem nur empfehlen.

Darum ist es der beste Job der Welt

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